Richtigstellung

Richtig-
stellung

In der Ausgabe der Ostthüringer Zeitung vom 12. August 2022 erschien mein Leserbrief „Amnesty Interrornational“ in gekürzter und sinnentstellter Form. Was der neue Titel „Russische Tatorte nicht mehr bekannt“ bedeuten soll, ist mir schleierhaft.

Um potenziellen Missverständnissen vorzubeugen, veröffentliche ich hiermit die Originalfassung als Richtigstellung.

Amnesty Interrornational

Fast könnte man den Eindruck haben, der neuerliche pro-totalitäre Abwind, der in nie dagewesener Turbulenz an den Grundfesten westlicher Werte zu rütteln versucht, sei geradezu minutiös orchestriert. Während Investigativrechercheure mithilfe von Open-Source Intelligence Tag für Tag neue und immer schrecklichere Manifestationen russischer Friedfertigkeit zutage fördern (dabei erhalten sie gelegentlich Hilfe von russischer Seite, etwa als kürzlich kreml-Medien mit der Zerstörung eines Ukrainischen Raketenwerfers prahlten, der sich später als Krankenwagen entpuppte), scheint es Linkenpolitikerin und Noch-MdB Sahra „Kabajewa“ Wagenknecht für ihre Bürgerpflicht zu halten, Geschichtsrevisionismus feinster moskauer Art zu betreiben.

Als Reaktion auf das russische Bombardement des Odessaer Hafens nur Stunden nach der Unterzeichnung des gemeinsamen Getreide-Abkommens bezichtigte sie die Grünen (wen denn auch sonst?) eines „wahnsinnigen Kriegs gegen russland“ und die Bundesregierung eines „Wirtschaftskriegs“ und stellte nur Tage später klar, dass die Ukraine Kriegsverbrechen begehe – wobei sie sich auf einen auf Hörensagen beruhenden und unter Ausschluss Ukrainischer Menschenrechtsbeobachter verfassten Bericht der als unter anderem offen israelfeindlich aufgefallenen Organisation Amnesty International berief, der Wagenknechts Twitter-Demagogie in Sachen False Balancing mühelos das Wasser reichen kann. Er macht sinngemäß den Ukrainischen Widerstand für die gegen die Zivilbevölkerung gerichtete russische Kriegsführung verantwortlich.

Was ist mit uns nur geschehen, dass sich unsere Reaktion auf derartig zynische Täter-Opfer-Umkehr wahlweise auf ein müdes Schulterzucken oder einen spontanen Ausruf „Denk doch einer an die Gaspreise!“ beschränkt? Sind denn all die Bilder aus Butscha, Kramatorsk und den unzähligen anderen Tatorten der russischen Todesschwadrone etwa auf Rutherford’sche Manier im „Gedächtnisloch“ entschwunden?

Vielleicht sollten wir uns dringender denn je erneut die Freiheit nehmen zu sagen, dass zwei und zwei vier ist, und alles andere folgen lassen („Nineteen Eighty-Four“).

Gustav Blaß Verifiziert über Keyoxide